Ska - Die Geschichte einer Tanzmusik aus Jamaica
   
  
Was ist Ska?
 
Ska ist eine auf Jamaika entstandene Tanzmusik, aus welcher sich später der Reggae entwickelt hat.

Die Ska-Musik zeichnet sich vor allem durch ihren 'hüpfenden' Rhythmus aus, dem sogenannten Offbeat (auch Off-Beat, engl.: weg vom Schlag). Der Rhythmus des Offbeats klingt so, als wenn er immer ein bisschen aus dem Takt wäre, da hier die melodischen Akzente zwischen den Beats (Schlägen) des Rhythmus liegen und nicht auf den Beats, wie es sonst üblich ist.

Ein weiteres Merkmal der Ska-Musik ist die Instrumentierung. In den meisten Ska-Bands finden sich Blechbläser und sehr oft eine (Schweine-)Orgel.

Wie der Begriff Ska entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen. - Wenn wir uns allerdings in die Zeitmaschine begeben und uns auf eine Reise nach Jamaika in die späten 50er Jahre begeben, können wir einiges über die Ursprünge der Ska-Musik erfahren.
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Jamaica - Ende der 50er
 
Ende der 50er Jahre, als sich Jamaica gerade auf dem Weg in die Unabhängigkeit befand, schwappte aus Amerika eine musikalische Welle in Form von Rhythm'n'Blues, Jazz und Gospel in die jamaikanischen Dancehalls. Dieses Ereignis könnte man als den Geburtshelfer für die Musikrichtung Ska bezeichnen. Fortan mischten sich die jamaikanische Rhythmen mit den neuen Musikstilen und der der Ska war geboren.

Zeitgleich entstand auf Jamaika eine eigene Musikindustrie, die den Ska als erste eigenständige jamaikanische Popularmusik nach der Unabhängigkeit im Jahr 1962 vermarktete und durch ihre technischen Möglichkeiten der Musikproduktion und -verbreitung seine Entwicklung weiter begünstigte. Namentlich ist die Existenz des Genres der Ska-Musik also spätestens 1962 belegt.

Später behaupteten zwei Personen gleichermaßen, den Ska erfunden zu haben: Einmal ein gewisser Clement Dodd sowie Cecil Bustamente (auch als Prince Buster bekannt). Derjenige, der allerdings die ersten Ska-Aufnahmen zusammen mit Bands machte, war 1960/61 Mr. Dodd. Clement Dodds Studio1 stand damals im Wettbewerb mit Prince Busters 'The Voice of the People' und den Trojan Records.
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England - Anfang der 60er
  
Die Einwanderer der frühen 60er Jahre brachten den Ska mit nach England, wobei sie allerdings nicht den Begriff Ska benutzten, sondern ihre Musik Jamaican Blues nannten. Die Engländer schienen begeistert. Erste Plattenfirmen (z.B. Blue Beat Records) wurden gegründet und eine englische Szene entwickelte sich. Auch ein anderes Accessoire brachten die
Einwanderer mit: Der sog. Pork Pie (runder Hut mit kurzer Krempe) war bald vielerorts zu sehen.
 
Jamaica/England - Ende der 60er
 
Die Legende sagt, daß die westindischen Inseln 1966 von einer großen Hitzewelle heimgesucht wurden. Das machte den schweißtreibenden Tanz zu Ska schwieriger, so daß der langsamere Rock Steady entstand. Desmond Dekkers »007 Shanty Town« enterte die britischen Charts und zog weitere Vertreter nach sich.

Etwa um 1969 entdeckten auch die britischen Skinheads den Rock Steady. Es handelte sich um bunt zusammengewürfelte Jugend-Gangs der britischen Arbeiterklasse verschiedener Hautfarben und Kulturen, deren Anhänger sich die Schädel rasierten, nicht zuletzt um sich von den verhaßten, langhaarigen Hippies zu distanzieren. Nach Feierabend und an Wochenenden trafen sie sich um den Frust rauszulassen, zu saufen, und sich beim Fußball zu prügeln. Die Gangs von damals waren wohl brutal, aber nicht rassistisch. Man sprach auch vom Skinhead Reggae. Die Hymne jener Zeit gelang Symarip mit »Skinhead Moonstomp«.

Viele jamaicanischen Künstler versuchten übrigens, diese englischen »Rude Boys« etwas zu »zivilisieren«. Songs wie »Rudy, a message to you« sind berühmte Besänftigungsversuche an die Adresse der oft für Krawalle sorgenden Rude Boys. In diesem Millieu tauchte der Ska erst einmal für eine Zeitlang unter, um gewissermaßen einen kleinen Winterschlaf halten ...
 
England - Ende der 70er
 
... lange war keine Ska-Musik zu hören, denn die Hippies hatten das Land und den Zeitgeist erobert. Erst Ende der 70er begannen britische Bands in einer Gegenbewegung fast zeitgleich mit der aufkommenden Punk-Musik wieder Ska-Musik zu spielen. Diese Art Ska-Musik zu spielen war energetischer als bisher und auch stark von der der Punk-Musik beeinflusst. 

Das Label 2-Tone, welche The Specials und The Selecter unter Vertrag hatte, stand damals symbolisch für den Kampf gegen Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen in der englischen Gesellschaft, und das schwarz/weiße Schachbrettmuster wurde schnell zum Aushängeschild der Bewegung. Aber auch andere Bands wie The Beat, die Bad Manners und Madness erschienen im Rampenlicht.
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Heute
 
Im Laufe der Geschichte dieses Musikstils haben sich mittlerweile verschiedenste Spielarten herausgebildet. Es gibt alle möglichen Kreuzungen, mit Punk, Funk, Techno, HipHop und Hardcore. Das Spektrum reicht von Ska-Core, z.B. VooDoo Glowskulls, über Jazz-Ska oder Ska-Jazz (The New York Ska-Jazz Ensemble), bis hin zu tradionelleren Klängen mit DanceHall-Anleihen à la Dr. Ring Ding & the Senior Allstars.

Interessante Skavertreter der neueren Generation zu nennen fällt schwer, da es einfach zu viele interessante Bands gibt. Wer sich von der gegenwärtigen Vielseitigkeit überzeugen möchte, sollte vielleicht einfach mal in der Rubrik 'Ska-Medien' auf dieser Website umschauen oder sich im Ska-Forum von allska.de anmelden.

Let's do The Ska!
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Die Informationen zu dieser Ska-Geschichte habe ich verschiedenen Büchern, Zeitschriften, Websites sowie CD-Inlays meiner Tonträger-Sammlung entnommen. So handelt es sich z.B. um das Buch mit den vier CDs 'Tougher Than Though - The Story Of Jamaican Music' von Steve Barrow erschienen 1993 bei Mango Records, 'Das große Reggae-Lexikon' von Rainer Bratfisch, Ausgabe 2003, den Artikel: 'Bläser im Ska' im Clarino Print-Magazin 7-8/2003', das MOJO-Sonderheft 'The Specials, Madness & The Ska Explosion', das CD-Booklet von 'The History Of Ska' - Receiver Records 1995 sowie den Internetseiten von Dominik Seidler zur 'Entstehung und Entwicklung einer jamaikanischen Popularmusik' und 'Skanews', der ehemaligen Seite 'Ska bei Clickfish'. Letztendlich habe ich alles in meine eigenen Worte gefasst, so wie es hier zu lesen ist.

Horst Schweter - Dr. Maluma - webmaster@allska.de